
Liebe Leser:innen
Wir haben an unserer Hauptversammlung unser neues Logo vorgestellt. Frischer, moderner, ein bisschen mutiger. Und wie es unsere Gäste gesagt haben:
Man spürt eine Aufbruchstimmung.
Das freut mich. Wirklich.
Und gleichzeitig stolpere ich über einen Satz,
den ich in letzter Zeit öfter höre:
„Du siehst gar nicht aus wie eine
Präsidentin eines Frauenvereins.“
Ich frage mich dann jeweils:
Wie sieht sie denn aus, diese Präsidentin?
Hat sie einen bestimmten Haarschnitt?
Trägt sie immer ein Halstuch?
Der Frauenverein hat einen „altbackenen Ruf“.
Das höre ich auch immer wieder.
Und ich denke mir: spannend.
Denn wenn wir zurückschauen, sehen wir keine Altbackenheit
…wir sehen Mut!
o Seit 1932 engagieren sich Frauen in und um Konolfingen für andere.
o Nicht, weil es bequem war. Sondern weil es nötig war.
o 1940 wurde eine Wartefrau angestellt – eine frühe Form der Spitex.
o 1956 entstand die Mütter- und Säuglingsberatung.
o 1957 eröffnete die Brockenstube
o 2004 kam die Kita dazu
Ganz ehrlich: Wenn das altbacken ist, dann möchte ich mehr davon. Diese Frauen waren keine „braven Helferinnen“. Das waren Rebellinnen im besten Sinne. Sie durften oft nicht arbeiten, hatten wenig Mitsprache – und haben trotzdem etwas aufgebaut. Nicht laut. Nicht mit grossen Worten. Aber mit Ausdauer, Herz und ziemlich viel Rückgrat. Und ja, sie wurden nicht bezahlt. Das kann man heute kritisch sehen – und das sollen wir auch. Aber zusagen, sie hätten „einfach gratis geschuftet“, wird ihnen nicht gerecht. Sie haben nicht nur gearbeitet – sie haben gestaltet. Sie haben Strukturen geschaffen, die bis heute tragen. Sie haben Dinge möglich gemacht, die vorher schlicht nicht da waren.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der bis heute geblieben ist:
Wir machen Dinge möglich. Nicht perfekt. Nicht immer sichtbar. Manchmal sogar ein bisschen chaotisch. Aber mit Wirkung. Und diese „innere Befriedigung“, von der man manchmal fast ein bisschen belächelnd spricht – die gibt es tatsächlich. Es ist dieses Gefühl, wenn etwas funktioniert. Wenn jemand Unterstützung bekommt. Wenn aus einer Idee plötzlich Realität wird. Das ist kein verstaubtes Konzept.
Das ist nämlich zeitlos. Vielleicht geht es also gar nicht darum, ob wir „altbacken“ sind oder „modern“. Vielleicht geht es darum, dass wir immer schon etwas waren, das schwer in Schubladen passt. Und vielleicht – nur vielleicht – sieht eine Präsidentin eines Frauenvereins heute einfach so aus wie ich. Und morgen wie jemand ganz anderes.
Und genau so soll es sein.
Liebe Grüsse
Barbara Stalder



